© Anno Wilms
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ANNO WILMS

IDENTITÄT UND KONTRAST 

 

24. Januar - 17. April 2020

 

Vernissage am 23.01 von 18 bis 21Uhr

Um 19:00 spricht Klaus Honnef 

 

Kuration: Marc Barbey

 

In Zusammenarbeit mit der Stiftung Anno Wilms.

 

 

Ein Katalog der Collection Regard mit einem Text von Klaus Honnef erscheint anläßlich der Ausstellung.

 

 

Das Hauptinteresse der Berliner Fotografin Anno Wilms (1935-2016) galt dem Menschen in seiner individuellen selbst- aber auch fremdbestimmten Lebenswirklichkeit. Das Themenfeld gesell-schaftlicher Minderheiten nimmt dabei früh eine zentrale Stellung ein. In den 60er und 70er Jahren fotografiert die immer rastlos Reisende Roma-Familien in ganz Europa, sucht Beduinen-Lager in Israel und Ägypten auf und lebt später über Wochen mit den Rastafari auf Jamaica zusammen. Ein weiteres Faszinosum bilden die darstellenden Künste und hier vor allem die schillernde Welt der Berliner Transvestiten-Szene, wie sie in den berühmten Cabaret-Theatern Chez Romy Haag und Lützower Lampe gelebt wurde. Mit der Lindsay Kemp Company fiel der Blick zudem auf eine Theatergruppe, die jenseits aller klassischen Theaterkonzepte eine neue, exaltierte und frivole Ausdruckswelt entwirft.

 

Immer weiss Anno Wilms dabei eine von Respekt und Leichtigkeit geprägte Atmosphäre zu schaffen und meisterhaft einzufangen. Sie nähert sich ihrem Gegenüber vorbehaltlos persönlich und mit hoher Achtung vor dessen spezifischen Lebens-umständen. Hieraus erklärt sich auch der offene Zugang in die private Sphäre, der der Fotografin immer wieder gewährt wurde. Ihre sensiblen Porträts zeugen von ihrer Nähe zum Motiv und geben Kraft und Neugier der Kinder, Selbstbewusstsein und spirituelle Überzeugung der Erwachsenen sowie Autorität und Würde der Alten wieder, denen die Erinnerung an Tradition und Geschichte obliegt. Evident werden aber auch die existentielle Armut und die kulturelle Gefährdung gesellschaftlicher Minderheiten. Anno Wilms war auf der Suche nach einem umfassenden Identitätsverständnis, sei es nun kultureller, religiöser oder geschlechtlicher Natur. Sie durchleuchtet das fragile Spannungsfeld der Selbstbehauptung zwischen privaten Leben und Bühne, zwischen dem Eigenen und dem Fremden, zwischen Realität und Vision.

 

Ebenso wie die Wahl der Sujets Anno Wilms im Kreis Ihrer Kolleginnen schon zu Beginn ihrer Laufbahn zur Exotin werden ließ, zeugen auch ihre Abzüge von dem Wunsch, eine eigene fotografische Sprache zu entwickeln. Sie sind bewusst stark kontrastiert und aussergewöhnlich in ihrer hochglänzenden Beschaffenheit. Mit der dadurch eher kalten, kristallin veredelten Wirkung bricht die Fotografin zum Einen bewusst die Nähe zum Motiv und die Intimität des eingefangenen Augenblicks. Zum Anderen unterstützt die Wahl der Ausdrucksmittel den Fokus auf Themen ausserhalb des Mainstreams. Auch Ihre experimentellen Arbeiten mit Solarisation und chemischen Vermalungen belegen Anno Wilms Interesse, außerhalb der gewohnten Pfade einen eigenen Weg zu suchen.

 

Biografie Anno Wilms (1935-2016)

Nach einer Ausbildung an der Fotoschule in Hamburg mit staatlichem Abschluss an der Lette-Schule Berlin hat sich Anno Wilms als freie Bildjournalistin seit Beginn der 60er Jahre auf zahllosen Reisen vor allem mit gesellschaftlichen Randgruppen und darstellende Künsten befasst. Auf der Suche nach einem umfassenden Identitätsverständnis im Spannungsfeld von Realität und Vision galt ihr Hauptinteresse dabei dem Menschen in seiner individuellen selbst-, aber auch fremdbestimmten Lebenswirklichkeit.

Anno Wilms lebte und arbeitete in Berlin. Der künstlerische Nachlass der Fotografin, der etwa 40 000 Abzüge und mehr als 6000 Negativfilme umfasst, wurde noch zu Lebzeiten in eine Stiftung überführt, die es sich zum Auftrag gemacht hat, das umfangreiche fotografische Werk zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Stiftung Anno Wilms befindet sich in den ehemaligen Wohnräumen der Künstlerin in der Xantener Straße in Berlin-Charlottenburg.

 

Die Ausstellung kann vom 24.1. - 17.04.2020 jeden Freitag zwischen 14 und 18 Uhr (außer an Feiertagen) sowie nach Terminvereinbarung besichtigt werden.

 

Begleitprogramm:

Salon Photographique: am Donnerstag den 27.02 findet ein Salon Photographique mit Frau Dr. Nina Zenker und Marc Barbey statt. Filme über die Protagonisten der Fotografien von Anno Wilms werden zurzeit noch recherchiert und werden an dem Abend präsentiert. Einlass ab 19 Uhr, Gespräch ab 19:30 Uhr, Kostenbeitrag 5€. Reservierung/

Voranmeldung: info@collectionregard.com

 

Öffentliche Führungen: Führungen mit Frau Dr Nina Zenker und Marc Barbey am Freitag 24.01. und 20.03. jeweils um 17 Uhr.

 

Eintritt frei. Reservierung/ Voranmeldung: info@collectionregard.com